2. Mai 2016

Rezension Renee Ahdieh - Zorn und Morgenröte

Ich erinnere mich noch sehr genau, dass das geheimnisvolle Cover dieses Buches sofort meine Aufmerksamkeit fesselte. Die kupferfarbenen Ornamente, der azurblaue Hintergrund und das Mädchen, das quasi durch den Buchdeckel blickt - wer sollte da nicht aufmerksam werden?

Zum Inhalt:


Shahrzad möchte den Tod ihrer Freundin Shiva rächen, die durch die grausamen Taten des jungen Kalifen Chalid zu Tode gekommen ist. Kein Mensch weiß warum, aber Chalid heiratet jeden Tag ein Mädchen, nur um es am darauffolgenden Morgen hinrichten zu lassen. Shahrzad meldet sich freiwillig als Braut, wild entschlossen, Chalid dafür büßen zu lassen. Doch es kommt anders, als sie denkt und bald geht es um deutlich mehr als Rache ...

Meine Meinung:


Beginnen wir einmal mit dem Setting, denn das ist einfach wunderschön, man fühlt sich bereits nach wenigen Seiten wirklich und wahrhaftig in die Welt von orientalischen Märchen versetzt. Geheimnisvoll, exotisch und fremd - und gleichzeitig anziehend! Paläste, Wüsten, Kleidung und Speisen, alles ist fremd und faszinierend zugleich. Wenn ich das alleine bewerten sollte, bekäme der Roman ohne zu zögern fünf Sterne von mir :).

"In meinem Leben habe ich vor allem eines gelernt: dass kein Wesen den Gipfel seiner Möglichkeiten ohne die Liebe anderer erreichen kann. Uns ist es nicht bestimmt, allein zu sein, Sharzad. Je mehr ein Mensch andere von sich stößt, desto klarer wird es, dass er am meisten von allem Liebe braucht".
S.142

Als Leser steigen wir unmittelbar in die Geschichte ein, nachdem die Hochzeit bereits vorbei ist und Shahrzad die Hochzeitsnacht mit dem unbekannten Mann bevorsteht. Obwohl gerade einmal 16 Jahre alt, weiß Shahrzad sehr genau, was sie will - zumindest am Anfang. Und damit wären wir schon bei einem Punkt, den ich persönlich nicht ganz nachvollziehen konnte: Die Entwicklung der Charaktere.

Shahrzad beispielsweise beginnt bereits ziemlich bald, sich in Chalid zu verlieben, obwohl sie eigentlich nichts von ihm weiß und er sich ihr nicht wirklich öffnet. Im Gegenteil, er geht ihr aus dem Weg, spricht wenig mit ihr und tut auch sonst wenig, um Gefühle zu erwecken ... Diese Frage nach dem "Warum" begleitete mich durch das ganze Buch und wurde zumindest hier für mich nicht wirklich zufriedenstellend beantwortet.

Genauso wenig fand ich Shahrzads Dienerin Despina überzeugend. Zuerst ist sie eine Sklavin, dann Shahrzads Bedienstete - aber dafür gibt sie ihrer Herrin erstaunlich oft Widerworte. Das war zwar durchaus amüsant zu lesen, aber plausibel fand ich es nicht. Genauso wenig wie das Hin und Her, ob Shahrzad ihr nun vertrauen konnte oder nicht ...

Sieht man darüber aber hinweg und lässt sich auf die Handlung ein, hat man aber trotzdem ein schön und flüssig zu lesende Geschichte, die hauptsächlich von der beginnenden Liebe zwischen Chalid und Shahrzad getragen wird. Viel Gefühl, aber auch viele Geheimnisse - und mit der Zeit möchte man immer mehr wissen, warum Chalid, der zunehmend tragische und melancholische Züge bekommt, so furchtbare Dinge tut.

"Es ist ein großes Geschnek, andauernde Liebe zu finden - eine Liebe, die für alles, was sie nimmt, etwas gibt".
S.287

Eine weitere, wenn auch kleine Rolle, spielt Tarik, Shahrzads Jugendfreund. Befürchtete ich anfangs noch, dass hier wieder einmal eine Dreiecksgeschichte auf mich zukommen würde, konnte ich bald zufrieden aufatmen ... Shahrzad braucht Gott sei Dank nicht so lange wie andere Heldinnen, um herauszufinden, wem ihr Herz wirklich gehört :).

Das Ende bringt uns fast zwangsläufig einen Cliffhanger, jedoch fand ich diesen nicht ganz so schlimm wie bei anderen Reihen. Hier kann ich mit gutem Gewissen das Buch zuklappen und auf die Fortsetzung warten :).

Mein Fazit:


Das Setting des Romans hätte locker fünf Sterne und mehr verdient, das ist wirklich ein echter Genuss. Die Entwicklung der Charaktere konnte ich allerdings an einigen Stellen nicht wirklich nachvollziehen ... Wenn man aber bereit ist, sich auf die Liebesgeschichte einzulassen, bekommt man einen gefühlvollen und flüssig zu lesenden Roman, der einen gut unterhält und der vor allem am Ende durchaus neugierig auf die Fortsetzung macht.

  • ★★★★
  • E-Book
  • 400 Seiten
  • Bastei Entertainment
  • 978-3732522675

2 Kommentare

  1. Hey Ascari,

    Das mit der Charakterentwicklung stimmt natürlich, aber wenn man jetzt zum Beispiel "Stolz und Vorurteil" her nimmt, dort ist die Charaktarentwicklung auch völlig absurd und nicht nachvollziehbar. Ich finde es ok, da man merkt, dass sich die Charaktere langsam anfreunden und verlieben. Und manchmal macht Liebe einfach keinen Sinn. Also man kann selbst nicht entscheiden, warum genau man sich nun in denjenigen verliebt. :D - Mich hat es einfach nicht gestört und ich habe Shazi nicht übel genommen. :)

    Liebe Grüße,
    Sarah

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    1. Hi Sarah!

      Ich geb zu, ich hab von Jane Austen nie etwas gelesen ... Im Englisch-Unterricht mussten wir nicht, und danach, naja :D. Sollte ich aber vielleicht mal nachholen, denke ich.

      Wenn ich so überlege, ist es vielleicht sogar ein bisschen paradox, weil ich ja gern SF und Phantastik lese, aber meine Liebesgeschichten mag ich realistisch :). Sprich, ich will nachvollziehen können, warum sich zwei Charaktere ineinander verlieben. Irgendwann habe ich die Entwicklung beim Lesen einfach hingenommen, um den Rest genießen zu können, aber es hat halt im Hintergrund "rumort" ;).

      Liebe Grüße
      Ascari

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