23. März 2017

Rezension Luca D'Andrea - Der Tod so kalt

Ich glaube, auf Instagram fiel mir dieses Buch das erste Mal auf. Oder war es Twitter? Wie auch immer: An dem Namen "Bletterbachschlucht" bin ich hängen geblieben, weil ich selbst vor ein paar Jahren schon dort war - und diese Schlucht ist beeindruckend! Wenn man sich für die Bergwelt, Gesteine bzw. Geologie interessiert, ist es eigentlich schon fast ein Pflichtbesuch! Aber okay, ich schweife ab ... Zurück zum Buch :).

Zum Inhalt:


Jeremiah Salinger, verheiratet mit einer Südtirolerin, kommt mit seiner kleinen Familie in den kleinen Ort Siebenhoch, der ganz in der Nähe der Bletterbachschlucht liegt. Durch Zufall erfährt er, dass dort 1985 drei junge Menschen gewaltsam zu Tode gekommen sind. Wer dafür verantwortlich ist, ist ungeklärt.

Als Dokumentarfilmer, der selbst mit einem Trauma auf einem Gletscher fertig werden muss, wird Jeremiah neugierig und beginnt Nachforschungen anzustellen. Obwohl ihm besonders von den Dörflern Widerstand erwächst, verbeißt sich Jeremiah in die Ereignisse und kommt so der Wahrheit immer näher und näher ...

Meine Meinung:


Anfangs war ich ehrlich gestanden etwas verwirrt, aber das legte sich relativ schnell. Denn der Autor lässt sich Zeit, die Geschichte zu erzählen. Aus diesem Grund erfährt der Leser erst einmal die Vorgeschichte, die zu dem Aufenthalt in Siebenhoch führt. Jeremiah, sein Freund Mike und ihre Arbeit als Dokumentarfilmer werden vorgestellt. Nach und nach haben sie damit Erfolg. Bei einer Filmpräsentation lernt Jeremiah seine spätere Frau Annelise kennen und bekommt mit ihr eine Tochter namens Clara.

Als sie auf die Idee kommen, die Arbeit der Bergretter in Südtirol zu einer Dokumentarserie zu machen, geschieht ein Unglück, aus dem allein Jeremiah als Überlebender hervorgeht. Bei ihm wird in Folge PTBS (Post-Traumatische Belastungsstörung) diagnostiziert und er erhält einige Psychopharmaka verschrieben, die er allerdings nicht nimmt. Einige Zeit später reist er mit seiner Familie in den Heimatort seiner Frau, weil er ihr versprochen hat, sich ein Jahr eine Auszeit zu nehmen.

Anfangs ist er depressiv, lediglich seine Tochter ist ein Lichtblick in seinem Leben und er macht mit ihr verschiedene Ausflüge, unter anderem auch in die Bletterbachschlucht. Zufällig wird er dann Ohrenzeuge eines Gesprächs, in dem der Ausdruck "Bletterbachschlucht-Massaker" fällt - und er wird neugierig. Sein Schwiegervater erzählt ihm erste Details, die ihn dazu bringen, das Thema noch hartnäckiger zu verfolgen.

Da er ahnt, dass dies zu Auseinandersetzungen mit seiner Frau führen wird, hält er dies zunächst einmal geheim. Nach und nach spitzen sich die Ereignisse allerdings zu, sodass Jeremiah mehr als einmal zusammengeschlagen wird und auch einer Ehekrise nicht aus dem Weg gehen kann ...

Diese Entwicklungen sorgen dafür, dass die Spannung bei diesem Roman erst nach und nach entsteht. Verschiedene Dörfler und ihre Rolle in der Geschichte werden langsam vorgestellt, sodass man als Leser keine Probleme hat zu folgen. Trotzdem habe ich an manchen Stellen den einen oder anderen Namen verwechselt, weil es eine Weile gebraucht hat, bis ich jedem der Toten die Verwandten, Freunde etc. zuweisen konnte.

Was Jeremiah die Arbeit erschwert, ist, dass die Dorfbewohner - besonders die Angehhörigen und Freunde - zum Teil nach der langen Zeit bis zu einem gewissen Maß ebenfalls traumatisiert sind. Jeder hat einen anderen Weg gefunden, damit umzugehen. Dies sorgt dafür, dass trotz des Widerstands doch immer wieder einige Leute mit Salinger sprechen, obwohl er eigentlich als Fremder gilt, als "Zuagroasta", der nicht viel mehr über den Touristen steht.

Die Sprache des Romans ist einfach, aber fesselnd. Und der Autor versteht es, das Schicksal und die Gegend recht düster zu zeichnen, da ein Großteil der Geschichte in Schnee und Eis bzw. im Winter spielt. Jedes Kapitel ist noch einmal unterteilt in kleinere Abschnitte, die durchnummeriert sind und die manchmal nur wenige Sätze ausmachen, die kleine Teaser auf das Kommende darstellen. Auch aus diesem Grund entwickelt das Buch trotz der familiären Exkurse mit Frau und Tochter eine gewisse Sogwirkung, der man sich spätestens nach dem ersten Drittel nur mehr schwer entziehen kann.

Einen ersten Höhepunkt erreicht die Geschichte etwa 80 Seiten vor dem Ende, sodass ich mich kurz gefragt habe, was denn da jetzt noch kommen sollte. Der Autor beweist damit allerdings recht eindrucksvoll, dass nicht unbedingt wahr sein muss, was sich als Wahrheit darstellt. Und auch wenn gegen Ende mit dem Autor ein wenig die Phantasie durchgegangen ist, liest sich das Buch trotzdem sehr spannend und ich hatte die fast 500 Seiten innerhalb von zwei Tagen an einem Wochenende durch :).

Mein Fazit:


Auch wenn das Buch die eine oder andere Schwäche aufweist, konnte es mich die meiste Zeit fesseln. Wer sich mit dem Setting in den Bergen und der düsteren Stimmung anfreunden kann, kann mit dem Buch eigentlich nicht viel falsch machen (Ähnlichkeiten zum Film "Das finstere Tal" haben sich bei mir gleich an mehren Stellen aufgedrängt). Auch wenn das Ende ein wenig abgedreht daher kommt, empfehle ich das Buch gerne weiter.

  • ★★★★
  • Klappenbroschur
  • 480 Seiten
  • DVA Verlag
  • 978-3421047595

4 Kommentare

  1. Liebe Ascari,

    Luca D'Andrea hat das Talent durch Sprache zu fesseln, auch wenn ich zwischendurch Längen empfand. Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass ein zweiter Roman von diesem Autor lesenswert ist, nur würde ich mir ein authentischeres Ende wünschen.

    Liebe Grüße

    Nisnis

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    1. Ich hätte dieses Ende auch nicht unbedingt gebraucht, gebe ich zu. Vor allem weil ich es in der Form in diesem Buch nicht erwartet habe ... Weißt du zufällig, ob es weitere Bücher von dem Autor geben wird?

      Liebe Grüße
      Ascari

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  2. Huhu!

    Ich bin über das Buch gestolpert, weil ich eines Tages eine Postkarte im Briefkasten hatte mit einer Briefmarke, die aussah wie das Cover. Mit dem Text der Karte konnte ich nichts anfangen, vermute aber, dass sie aus Sicht eines der Charaktere geschrieben war. Vermutlich hat der Verlag mir die Postkarte geschickt, aber danach habe ich nichts mehr davon gehört! Deswegen habe ich nach Rezensionen zu dem Buch gesucht. :-)

    Und das Buch klingt großartig, genau nach meinem Geschmack! Das muss unbedingt auf meine Wunschliste. :-) Schöne Rezension!

    Ich habe diesen Beitrag HIER für meine Kreuzfaht durchs Meer der Buchblogs verlinkt!

    LG,
    Mikka

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    1. Oh, danke, das freut mich! Bin ja schon neugierig, was du zu diesem Buch dann sagen wirst :).
      Und ich liebe deine Kreuzfahrt, aber das hab ich ja schon mal gesagt, glaube ich ;).

      Liebe Grüße
      Ascari

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