4. April 2017

Rezension Dan Vyleta - Smoke

Aufmerksam wurde ich auf dieses Buch bereits durch eine Leserunde bei Lovelybooks, so richtig erwischte mich die Neugier allerdings, als ich vom Verlag ein Mail erhielt mit einigen Presseinformationen ...

Zum Inhalt:


"Smoke" spielt im viktorianischen England - mit einem großen Unterschied: Die Menschen beginnen zu rauchen, wenn sie aus irgendeinem Grund schlechte Dinge tun oder denken. Für Charlie und Thomas, die zu jener Zeit in einem englischen Internat unterrichtet werden, ist es ganz normal, jederzeit darauf zu achten, möglichst wenig Rauch zu produzieren. Eines Tages entdeckt Charlie bei einem Schulausflug jedoch einen Mann, der nicht raucht. Diese Erkenntnis stellt für die Freunde alles bisher Gelernte auf den Kopf und sie wollen diesen Geheimnissen auf den Grund gehen ...

Meine Meinung:


Der Klappentext machte ich mich ehrlich gestanden sofort neugierig - und das, obwohl auch im englischsprachigen Raum die Bewertungen für dieses Buch recht unterschiedlich ausgefallen sind. Diese Mischung aus Phantastischem und alternativer Geschichte war einfach zu verführerisch, als dass ich zu diesem Angebot Nein sagen konnte.

Der Anfang war für mich auch noch total faszinierend. Das Leben mit dem Rauch ist für die Menschen ganz normal, auch wenn niemand eigentlich so genau weiß, warum der Rauch da ist und warum er immer wieder andere Formen und Farben annimmt. Angefangen bei hellgrauem, dampfähnlichen Rauch bis zu pechschwarzem, öligem Ruß ist alles dabei. Die Menschen geben diesen Rauch über ihre Körperöffnungen ab und können dies nicht unterdrücken, es sei denn, es gelingt ihnen, ihre negativen Emotionen zu kontrollieren.

Dieses Setting bot gleich am Anfang Platz für mehrere spannende Fragen: Woher kommt der Rauch? Gab es ihn schon immer? Und warum gibt es Menschen, die nicht rauchen? Charlie und Thomas stellen diese Dinge anfangs nicht in Frage, bis Charlie zum ersten Mal jemanden sieht, der nicht raucht. Verständlich, dass hier auch der Leser neugierig wird und sich nur allzu bereitwillig mit den beiden auf eine Reise begibt, um herauszufinden, was hier abläuft.

Der Autor macht es einem dabei einfach, in diese bekannte und zugleich unbekannte Welt einzutauchen, da er sich Zeit nimmt, die Geschichte zu entwickeln. Der Rauch steht fast sinnbildlich für eine Gesellschaft, die lügt, betrügt, mordet und stiehlt. Menschen sind bereits nach der Geburt erst einmal schuldig und müssen danach streben, sich zu verbessern. Nicht zuletzt dank der Protagonisten bleibt die Hoffnung auf eine bessere Welt, da die Dinge offensichtlich nicht so zu sein scheinen, wie man es bisher gedacht bzw. geglaubt hat.

Auch den Schreibstil und den Wechsel von der dritten Person in die erste für einzelne Figuren fand ich durchaus interessant. Der Autor versteht es, seine Welt sehr bildhaft in Szene zu setzen, die Zeitreise in diese Welt fiel mir daher wirklich einfach. London als düsterer Ort, wo mehr Unheil als sonstwo auf der Welt geschieht - das hat der Autor wirklich phantastisch rübergebracht.

Umso bedauerlicher, dass mich das Buch am Ende doch noch "verloren" hat. Denn ab dem letzten Drittel etwa konnte ich nicht mehr nachvollziehen, warum die Figuren bestimmte Dinge getan haben. Auch wenn die Perspektive immer wieder wechselt, fehlte mir der Zugang, das Verständnis. Einzelne Personen waren auf einmal unvorstellbar grausam, fielen sogar dem Wahnsinn anheim. Warum, hat sich mir einfach nicht erschlossen.

Aus demselben Grund wurde ich auch mit dem Schluss nicht so wirklich warm, denn obwohl ich den Plottwist an dieser Stelle durchaus mochte, erschloss er sich mir nicht, ich habe ihn schlicht und einfach nicht verstanden. Daher blieb ich nach dem Zuklappen des Buches zum Teil ratlos, zum Teil unbefriedigt zurück. Warum? Ich hatte das Gefühl, im Regen stehen gelassen worden zu sein, was die Antwort auf einige Fragen anging. Nicht jede Frage braucht für mich eine Antwort, aber wenn ich das Gefühl habe, dass die wichtigste von allen offen geblieben ist, dann gefällt mir das nicht.

Mein Fazit:


"Smoke" startet unheimlich stark, driftete aber im letzten Drittel für meinen Geschmack zu weit ab, um mich wirklich bis zum Schluss bei der Stange zu halten. Das tolle Setting und der bildhafte Schreibstil konnten dies leider nur zum Teil kompensieren.

  • ★★★★★
  • Klappenbroschur
  • 624 Seiten
  • carl's books
  • 978-3570585689

6 Kommentare

  1. Oh wie schade ...
    Mir ist dieses Buch auch schon ins Auge gefallen und was Du zur Grundidee erzählst, finde ich nach wie vor faszinierend. Es ist so schade, dass am Ende die Auflösung aller angerissenen Themen ganz offensichtlich nicht so gut rübergekommen ist und bei Dir eher Ratlosigkeit hinterlassen hat. Das ist natürlich ein sehr starker Minuspunkt und deshalb muss das Buch erst einmal auf mich verzichten.
    Danke für diese tolle Rezension.
    Das Cover finde ich übrigens sehr genial!

    LG Gabi

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    1. Liebe Gabi,

      ich nehme schon an, dass das Absicht des Autors war, es so enden zu lassen. Endet aber nichts daran, dass es mich nicht angesprochen hat. Was das Cover angeht, gebe ich dir übrigens recht, das gefällt mir auch!

      Liebe Grüße
      Ascari

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  2. Huhu!

    Ja, wirklich schade! Aber das hab ich schon von vielen gehört!
    Ich selber bin da etwas anderer Meinung, denn mich konnte auch der letzte Teil der Geschichte sehr gut mitreißen und ich konnte auch nachvollziehen, warum sie so gehandelt haben.
    Dass "das Ende" offen ist fand ich gut! Dass nicht alles bis ins kleinste erklärt wurde fand ich hier nicht so schlimm. Normalerweise mag ich das auch nicht, aber in dem Fall hat es mich nicht gestört - ich kann dir jetzt auch nicht wirklich sagen, warum. Ich hatte einfach ein gutes Gefühl, als ich das Buch zugeschlagen hab. Vor allem natürlich die vielen Gedanken dazu, die mir sicher noch einige zeitlang im Kopf rumgehen werden ;)

    Liebste Grüße, Aleshanee

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    1. Liebe Aleshanee,

      ich hab deine Rezi in der Zwischenzeit gelesen :). Und ich finde es auch völlig in Ordnung, dass du das anders erlebt hast. So soll es sein! Geht mir übrigens auch so, dass es manche Bücher gibt, wo mich das nicht so stört. Das ist alles sehr, sehr subjektiv :D.

      Liebe Grüße
      Ascari

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  3. Smoke interessiert mich thematisch schon, aber ich bin so verunsichert, ob mich dieses Buch glücklich machen würde. Die Meinungen zu ihm driften unglaublich weit auseinander. Ich werde den Titel noch etwas auf mich wirken lassen.

    Liebe Grüße

    Nisnis

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    1. Hey :)

      Ich will dir da weder zu- noch abraten, bin ja immer dafür, dass man sich sein eigenes Bild machen sollte. Aber vielleicht hast du Glück und du kannst es dir irgendwo leihen?

      Liebe Grüße
      Ascari

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