Rezension Angie Thomas - The Hate U Give

Wie beginnt man die Rezension zu einem Buch, das wohl schon seit seinem Erscheinen im englischsprachigen Raum für Aufmerksamkeit sorgte? Und mir scheint, seit es nun auch auf Deutsch zu haben ist, hat der Hype ein neues Level erreicht ... Aber egal: Das Thema machte mich neugierig und so durfte es vor einiger Zeit im Original als E-Book bei mir einziehen.

Zum Inhalt:


"The Hate U Give" erzählt die Geschichte des 16jährigen Mädchens Starr Carter, das in zwei Welten aufwächst. Das von Schwarzen bewohnte Viertel Garden Heights ist ihr Zuhause, während sie tagsüber auf die Williamson Prep Schule geht, die hauptsächlich von Weißen besucht wird.

Diese Trennung geht solange gut, bis sie mit ihrem Sandkastenfreund Khalil von einer Party in ihrem Viertel nach Hause fährt und mit ansehen muss, wie ihr Freund von einem weißen Polizisten bei einer Verkehrskontrolle erschossen wird ...

Meine Meinung:


"The Hate U Give" wirft den Leser gleich unmittelbar in die Geschichte hinein, den Khalil dient mehr oder weniger eigentlich nur als Auslöser für die gesamte Geschichte. In Folge begleitet man Starr in ihrem weiteren Leben, wie sie versucht, mit der Tatsache fertig zu werden, dass bereits zum zweiten Mal in ihrem jungen Leben eine Person aus ihrem unmittelbaren Umfeld zu Tode kommt.

Der Hype hat leider dafür gesorgt, dass ich einige Erwartungen an das Buch geknüpft hatte, die so nicht unbedingt erfüllt wurden. Sehr häufig wird das Buch nämlich als Aufruf gegen Rassismus verstanden. Es ist in meinen Augen aber nicht unbedingt als Appell zu sehen, eher als Bericht, wie eben sich das Leben für eine junge Schwarze heutzutage abspielt ...

Der Grund ist, dass Starr selbst nicht frei von Vorurteilen ist. Dies zeigt sich vor allem in den Szenen mit ihrem weißen(!) Freund. Dieser ist eigentlich fast zu gut, um wahr zu sein, während Starr damit kämpft, sich schuldig zu fühlen, nach Khalils Tod ausgerechnet mit einem Weißen zusammen zu sein. Aus diesem Grund erntete das Buch, soweit ich mitbekommen habe, auch einiges an Kritik, aber ich finde es in Ordnung so. Die Wirklichkeit sieht eben so aus, dass Schwarze auch Weiße umgekehrt diskriminieren, dies wird nur deutlich seltener bei uns thematisiert.

Angie Thomas bemüht sich in ihrem Buch redlich, diese Vorurteile anhand verschiedener Nebenfiguren aufzubrechen. Es passieren aber trotzdem einige Dinge, die ich ein wenig zu vereinfacht dargestellt fand (Ich werde jetzt hier nicht ins Detail gehen, da dies wohl schon Spoiler darstellt, sorry).

Starr selbt kam oft sehr widersprüchlich rüber, was sie mir nicht immer sympathisch machte, was aber aufgrund der äußeren Umstände verständlich ist. Auch mit ihrem Familie wurde ich nicht immer warm, sie ist aber letztendlich etwas, was man sonst in Jugendromanen selten findet: Vorhanden! Starrs Umgang mit ihren Eltern, die Unterstützung, die sie von ihnen vor allem in der Hälfte des Buches bekommt, die Verbundenheit mit ihrem Bruder und Halbbruder, auch das wirkt realistisch.

Warum ich dem Roman das Prädikat "großartig" trotzdem nicht verleihen kann, ist in meinen Augen dem Schreibstil zu verdanken. Es fehlen für meinen Geschmack einfach die Passagen, die mich emotional überwältigen konnten ... Warum? Weil Thomas meiner Meinung nach fast ein bisschen zu distanziert beschreibt, was Starr die Dinge wahrnimmt und was sie tut. Aus dem Kontext heraus lebt und fühlt man mit Starr natürlich mit, versteht damit auch ihre Entwicklung - aber ein kleines bisschen blieb sie mir am Ende doch fremd.

Trotzdem spreche ich eine Leseempfehlung aus, da das Buch eine Problematik thematisiert, die wir als Europäer kaum bis gar nicht wahrnehmen, wenn überhaupt nur aus Serien und Filmen kennen. Und wer gut genug Englisch kann, sollte das Buch trotz des Slangs im Original lesen, denn daran gewöhnt man sich nach den ersten Kapiteln. Die deutsche Ausgabe fällt hier schon wegen der vielen englischen Ausdrücke (die man in meinen Augen zum Teil durchaus übersetzen hätte können, sie reden beispielsweise vom "Girlfriend"?) eher ab ...

Mein Fazit:


"The Hate U Give" ist ein gutes und wichtiges Buch, das man schon wegen des Themas gelesen haben sollte, da wir als Europäer eher wenig darüber wissen. Für das Prädikat "großartig" fehlte mir allerdings doch noch ein bisschen was ...

Labels: , ,