12. September 2017

Rezension Caroline Brinkmann - Die Perfekten

Dank diverser Vorschauen wurde ich schon recht fr├╝h auf "Die Perfekten" von Caroline Brinkmann aufmerksam. Umso mehr ├╝berraschte mich, dass Bastei sich dieses Mal entschieden hat, einer deutschen Autorin in diesem Umfang in ihr Programm aufzunehmen. Aber zurecht :). Ich lese sehr gerne immer wieder Dystopien, aber diese hier hat es geschafft, mich an einigen Stellen immer wieder zu ├╝berraschen.

Zum Inhalt:


Rain w├Ąchst in einer Gesellschaft auf, die von ihrer Einteilung in Gen-Klassen dominiert wird. Je nachdem ob Menschen ├╝ber gute oder schlechte Gene verf├╝gen, k├Ânnen sie aufsteigen und Erfolg haben oder nicht. Auf der untersten Stufe stehen die Unsichtbaren, die sogenannten "Ghosts", Menschen, die nicht registriert sind und nicht gefunden werden wollen. Rain ist so ein Ghost. Aber dann unterl├Ąuft ihr eines Tages ein Fehler: Sie vertraut jemandem, den sie gern hat ...

Meine Meinung:


Ich muss gestehen, Caroline Brinkmann war mir als Autorin bisher g├Ąnzlich unbekannt. Und das, obwohl "Die Perfekten" nicht ihr erstes Buch ist. Aber immerhin ihre erste Dystopie. Die Idee, Menschen in eine Art Kastensystem anhand ihrer Gene einzuteilen, sprach mich jedoch an und deswegen wollte ich das Buch unbedingt lesen.

Das Bed├╝rfnis, sich genetisch zu verbessern, ist in der Evolution schon jahrtausendelang verankert, die Vorstellung, genetische vererbbare Krankheiten auszumerzen, bestimmt ein Wunsch vieler werdender Eltern. Daher fand ich die Idee zu dieser Geschichte auch nicht so weit hergeholt wie die anderer Dystopien.

Die Autorin hat sich in diesem Zusammenhang einiges Interessantes einfallen lassen und geht sehr gekonnt auf das Leben der Menschen ein, die in dieser zuk├╝nftigen Welt als "minderwertig" angesehen werden: Menschen mit Gen-Klasse 2 und 3 werden benachteiligt, m├╝ssen in Zirkeln leben, die Smog, schmutziges Wasser und eine schlechte ├Ąrztliche Versorgung haben. Nur Menschen der Klasse 1 haben es gut und Luxus um sich, wohin man schaut. Ganz an der Spitze stehen die sogenannten "Gesegneten", die von der ├╝brigen Bev├Âlkerung fast wie G├Âtter verehrt werden.

In diesem spannungsgeladenen Umfeld siedelt Caroline Brinkmann ihre Protagonistin Rain an, ein M├Ądchen, das es von Anfang an in ihrem Leben nicht leicht hat. Als Ghost ist sie nicht registriert, muss permanent aufpassen, nicht von umherfliegenden Drohnen erfasst und entlarvt zu werden. Trotzdem ist sie mit ihrem Leben zufrieden, hat neben ihrer Mutter Storm eine kleine Fuchsmanguste namens Cassiopaio zum Freund.

Die Ereignisse geraten in Bewegung, als Rain den Fehler macht, sich mit Lark anzufreunden, einem Jungen, der wie sie im Zirkel Grey lebt. Da seine kleine Schwester Rose als 3 eingestuft wurde, setzt er alles daran, die Situation f├╝r sich und seine Familie zu verbessern. Trotz ihres unterschiedlichen Hintergrunds freunden sich die beiden an. Dies geht solange gut, bis Lark gezwungen wird, eine schwerwiegende Entscheidung zu treffen.

Als ich angefangen habe, das Buch zu lesen, hatte ich anfangs nur durchschnittliche Erwartungen, zu viele Dystopien arbeiten mit denselben Eckdaten wie "Die Tribute von Panem". Die ersten Beschreibungen, die Zirkel, das ungerechte System, die Armut und Benachteiligung auf der einen Seite, der Luxus und Reichtum auf der anderen Seite, das erinnerte sehr an diese Trilogie.

Trotzdem ertappte ich mich irgendwann auf einmal, dass ich mich schwertat dabei, das Buch f├╝r eine Weile wegzulegen. Dies ist in meinen Augen vor allem den Charakteren geschuldet. Sehr bald entwickelt man Sympathien f├╝r alle Beteiligten, auch die Nebenfiguren sind liebevoll gezeichnet.

Hier ist meiner Meinung auch die ganz gro├če St├Ąrke dieser Dystopie zu sehen: Niemand ist nur b├Âse, niemand nur gut. Jeder hat mit seinen ganz eigenen D├Ąmonen zu k├Ąmpfen, w├Ąhrend er verzweifelt versucht, das Richtige zu tun, und sich dabei weiter entwickelt. Selbst Rain ist im Verlauf der Handlung nicht frei von dunklen Gedanken. Das finde ich realistisch dargestellt, denn so ist nunmal die Wirklichkeit, das Leben geht auf und ab und selbst die Guten sind nicht immer nur gut.

Die Entwicklung der Geschichte selbst entfaltete schon recht bald eine Sogwirkung, der ich mich nur schwer entziehen konnte, obwohl mit bekannten (und vielleicht ein wenig klischeehaften) Elementen gearbeitet wird. Welche das sind, verrate ich jetzt bewusst nicht, da das f├╝r meinen Geschmack etwas zu viel spoilert. Dass ich eine Zeit lang bei etwa zwei Dritteln des Buches feststeckte, hatte nicht mit der Geschichte zu tun, eher dass ich eine gewisse Leseauszeit gebraucht habe.

Das Ende, ja, das kann man wohl als Cliffhanger bezeichnen, als offenes Ende. Trotzdem w├Ąre ich nicht traurig gewesen, wenn es dabei geblieben w├Ąre. In meinen Augen muss eine Geschichte nicht immer bis zum Ende auserz├Ąhlt werden. Aber gut, in der Zwischenzeit wurde bekannt, dass es 2018 mit Rain und Lark weitergehen wird. Wir d├╝rfen also gespannt sein, was sich die Autorin f├╝r uns Leser ausdenkt.

Mein Fazit:


Caroline Brinkmann hat mit "Die Perfekten" eine spannende und interessante Geschichte geschaffen, die mich als Leserin sehr schnell in ihren Bann ziehen konnte. Punktabzug gibt es eigentlich nur wegen der Details, die mich an einigen Stellen zu sehr an "Die Tribute von Panem" erinnert haben.

  • ★★★★
  • E-Book
  • 605 Seiten
  • One by Bastei Entertainment
  • 978-3732548316

4 Kommentare

  1. Hallo Ascari,
    ich wei├č garnicht warum, aber in letzter Zeit habe ich mehr Appetit auf Dystopien als gew├Âhnlich (eher nicht so mein Genre). Und dieses hier klingt auch interessant. Ich bin ganz bei dir, dass die Kasteneinteilung eine spannende Idee ist. Die Ghosts haben mich eher an die Buchmenschen aus Fahrenheit 451 erinnert (Menschen, die nicht gefunden werden wollen). ├ťbrigens sagte mir der Name der Autorin auch nichts. Naja... ich habs eben nicht so mit B├╝chern *lach...
    Danke f├╝r den Tipp!
    Liebe Gr├╝├če
    J├╝rgen

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    1. Lieber J├╝rgen,

      keine Ursache :). Ich sch├Ątze, du hast das Buch in den letzten Tagen schon auf verschiedenen Blogs gesehen. Daher ist meine Meinung sicher nur eine von vielen, aber ich kann mich nur wiederholen, "die Perfekten" ist f├╝r mich endlich mal eine wirklich durchdachte Dystopie, die toll zu lesen war.

      Liebe Gr├╝├če
      Ascari

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  2. Liebe Ascari,

    ich greife ja nur ├Ąu├čerst selten zu Dystopien, aber diese hier scheint sehr interessant, denn mich reizt das Thema Gene immer sehr. Vielleicht sollte ich mal wieder ├╝ber meinen Thriller- und Krimi-Schatten springen ;-).

    Liebe Gr├╝├če

    Anja

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    1. Liebe Anja,

      wenn du mal ein bisschen "fremdgehen" m├Âchtest, kann ich das Buch nur empfehlen. Es hat sogar ein ganz kleines bisschen Krimi-Elemente, daher ... ;).

      Liebe Gr├╝├če
      Ascari

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