Rezension Dieter David Seuthe - Frankfurt verboten

Das erste Mal wurde ich auf dieses Buch bereits letztes Jahr im Herbst aufmerksam, als Verlegerin Anya Schutzbach die Geschichte auf der Frankfurter Buchmesse vorstellte. Bereits damals dachte ich mir, das ist eine Geschichte, die ich lesen muss. Das Thema hörte ich zwar nicht unbedingt nach leichter Unterhaltung an, aber ich bin der Meinung, dass wir solche Geschichten brauchen, um nicht zu vergessen, was Hass und Rassismus anrichten können.

Zum Inhalt:


Elise Herrmann ist ein junges Mädchen, das schon in jungen Jahren als aufstrebende Pianistin auf sich aufmerksam macht. Mit Hilfe eines Stipendiums gelingt es ihr, einen Ausbildungsplatz am Hoch'schen Konservatorium in Frankfurt zu bekommen. Gleichzeitig erlebt sie mit Max von Hochem das erste Mal, was es bedeutet, verliebt zu sein. Das Leben könnte so schön sein, wenn es nicht 1929 wäre - und Elise nicht Jüdin ...

Meine Meinung:


Wie findet man für etwas Worte, was man sich heute nur noch schwer vorstellen kann, wenn man nicht im Deutschland der 30er und 40er gelebt hat? Dieter David Seuthe ist es mit seinem Buch "Frankfurt verboten" jedenfalls gelungen. Seine schlichte Sprache zieht einen sehr schnell in das Buch, in das Leben der jungen Leute in Frankfurt.

Die Geschichte startet 1929 in Bad Ems, einem Ort in der Nähe von Frankfurt: Elise ist jung und unerfahren, aber leidenschaftliche Pianistin, mit einem Talent, mit dem sie die Gefühle ihrer Mitmenschen erreichen kann. Gleichzeitig ist sie Jüdin, lebt allerdings nicht wirklich nach jüdischen Traditionen ...

Ihr Jugendfreund Arno hilft ihr, ein Konzert für ihre erblindende Großmutter Louise zu organisieren. Alles läuft gut, wären da nicht die Nationalsozialisten, die sich nicht zu schade sind, das Konzert zu mit Pfiffen und Buhrufen zu stören. Elise ist verstört, denn sie kann nicht verstehen, was sie diesen Leuten getan hat. Dieses Unverständnis stellt Seuthe meiner Meinung nach sehr gut dar, Elise ist nicht unbedingt ein politischer Mensch, ist bis jetzt sehr behütet aufgewachsen.

Dies ändert sich mit ihrem Umzug nach Frankfurt, wo sie auch ihre erste Liebe Max kennenlernt. Der junge Mann ist Arier, hat glänzende Aussichten, als Jurist Karriere zu machen. Es ist mehr oder weniger Liebe auf den ersten Blick. Gleichzeitig gewinnt Elise neue Freunde, die von überall her gekommen sind, um in Frankfurt Musik zu studieren. Das Frankfurt dieser Zeit ist liberal, Homosexuelle müssen sich nicht mehr verstecken, Jazz und Swing werden in eigenen Musikkellern gespielt, auch wenn Elise eher eine klassische Karriere anstrebt.

Aber die Schatten werden länger, denn Hitler ergreift die Macht - und Elise muss auf einmal feststellen, dass ihresgleichen nicht mehr in Deutschland, ihrem Deutschland, das sie als Heimat betrachtet, erwünscht ist. Max versucht alles, sie zu schützen, aber kurz bevor Elise ihr Debüt geben kann, wird es jüdischen Künstlern verboten, in Frankfurt aufzutreten. Frankfurt verboten, diese zwei Worte begleiten Elise von nun an - und die Maschen werden immer enger.

Seuthe beschreibt abwechselnd als auktorialer Erzähler als auch in Form von Briefen, wie Elise diese Zeit erlebt. Gerade diese Briefe sind es auch, die mich zeitweise zu Tränen gerührt haben. Eigentlich möchte sie ja nichts anderes machen, als Klavier zu spielen (und auch Schüler zu unterrichten), aber die Nazis boykottieren sie, wo sie nur können, bedrohen sie sowohl mit psychisch als auch physisch. Max versucht dabei alles, ihr zu helfen, tritt dafür sogar in die NSDAP ein, aber die Angst ist vor allem nach 1933 allgegenwärtig.

Gleichzeitig wird das Frankfurt der Vorkriegszeit wieder lebendig, Straßen, Plätze und Orte werden anschaulich beschrieben, wo Elise wohnt und arbeitet. Gerade wenn man die Stadt ein bisschen kennt, kann man gar nicht anders, als das Gefühl zu haben, Frankfurt von einer anderen - längst vergangenen - Seite kennenzulernen. Der Autor weist beispielsweise im Nachwort daraufhin, dass es das Hoch'sche Konservatorium in der von ihm beschriebenen Straße wirklich gegeben hat ...

Ab einem gewissen Punkt wird zwar das Ende vorhersehbar, aber trotzdem ist es nicht weniger traurig. Daher kann ich nur sagen: Taschentücher bereitlegen, wer dieses Buch lesen will! Und vielleicht nebenher Grönemeyers "Mensch" hören - dieses Lied ging mir jedenfalls die ganze Zeit beim Lesen im Kopf herum ...

Mein Fazit:


"Frankfurt verboten" ist in meinen Augen ein sehr schönes, trauriges, aber auch wichtiges Buch. Mit einfachen Worten gelingt es dem Autor eindringlich darzustellen, wie das Leben im Frankfurt der 30er Jahre für die Juden unter den Nazis gewesen sein muss ... Taschentücheralarm!

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